Elektronische Einparkhilfe geht in Serie

Perfekt in die Parklücke

Über Schwierigkeiten beim Einparken müssen sich Autofahrer bald keine Gedanken mehr machen. Ein elektronischer Helfer übernimmt es.

Von Ingo Buck

Die Vorstellung gefällt: Frau oder Mann möchte parken und lässt sich vom Auto die geeignete Parklücke suchen. Das Auto schlägt eine Parklücke vor und die Fahrerin oder der Fahrer braucht nichts weiter zu tun, als vorwärts oder rückwärts zu fahren. Den Rest erledigt das Auto, inklusive Rangieren und Entfernungsüberwachung zum Bordstein und Vorder- und Hintermann. Was nach Utopie klingt, wird demnächst tatsächlich in einem Serienauto – zumindest teilweise – zur Verfügung stehen.

Toyota ist Erster

Im neu überarbeiteten Toyota Prius wird der erste Einparkautomat vorgestellt, der das Fahrzeug selbsttätig in eine Parklücke steuert. Der Fahrer muss sich nur die geeignete Lücke suchen und Gas und Bremse betätigen, gelenkt wird automatisch.

Der vom 4. März an erhältliche Wagen mit Hybridantrieb verfügt als erstes Fahrzeug auf dem europäischen Markt über eine elektronische Einparkhilfe. Mittels einer Kamera in der Heckklappe wählt das System den korrekten Lenkwinkel. Der Fahrer braucht das Lenkrad nicht zu bewegen. Der Abstand zum vorderen und hinteren Fahrzeug wird mittels Abstandssensoren überwacht.

Der Toyota Prius kostet in der Sol-Ausstattung mit Einpark-Assistent und schnellerem DVD-Navigationssystem 27.650 Euro.

Siemens kann’s besser


Einen Schritt weiter als Toyota geht der Automobilzulieferer Siemens. Das "Park Mate" genannte System steuert den Wagen ebenfalls in eine freie Parklücke. Anders wie beim neuen Toyota übernimmt die Siemens-Elektronik aber selbst die Parkplatzsuche. Bei aktivierter Park-Mate-Funktion und Fahrgeschwindigkeiten bis zu 35 km/h tasten seitlich am Fahrzeug angebrachte Ultraschallsensoren den rechten und linken Seitenstreifen ab. Ist eine ausreichend große Parklücke gefunden, wird der Fahrer zum Anhalten aufgefordert. Der elektronische Horizont (eHorizon), eine Funktion von Siemens-Navigationssystemen, stellt dabei sicher, dass es sich um eine Parklücke, und nicht um eine Kreuzung oder Seitenstraße handelt.

Beim Rangieren bekommt der Fahrer über ein Display und per Sprachausgabe die Information, ob er den Rück- oder Vorwärtsgang einlegen soll. Das Lenken übernimmt vollständig die Elektronik. Die in den vorderen und hinteren Stoßfängern vorhandenen Ultraschallsensoren ermitteln die Abstände zu anderen Fahrzeugen und Hindernissen, sodass der Fahrer nur noch Gas und Bremse betätigen muss. Ein akustisches Signal warnt bei Hindernissen. Wenn kein Bordstein vorhanden ist, richtet Park Mate das Auto nach benachbarten Fahrzeugen aus.

Schneller Parken

Das System soll schneller einparken können als der durchschnittliche Fahrer, behauptet Siemens. Durch mehrere Vor- und Rückwärtsbewegungen sollen selbst kleine Parklücken optimal ausgenutzt werden. Der Fahrer wird sicher angeleitet. Der Einparkhelfer von Siemens ist Bestandteil von pro.pilot, dem Netzwerk von Fahrerassistenzsystemen, das Siemens derzeit zur Serienreife entwickelt. Darunter fallen etwa ein Nachtsichtgerät im Head-up-Display, ein Spurwechselsystem oder das automatische Fahren im Stop- and-Go-Verkehr. In der Entwicklung dieser Systeme ist die Mensch-Maschine-Schnittstelle von besonderer Bedeutung: Eine komfortable Interaktion zwischen Fahrer und System wird letztlich darüber entscheiden, ob Fahrassistenzsysteme von den Autofahrern angenommen werden.

Voraussichtlich 2008 soll der Automat in Serie gehen. Bei Automobilherstellern und Autofahrern sei das Interesse bereits groß. Auch andere Zulieferer wie Hella arbeiten derzeit an automatischen Parksystemen.

Bildunterschriften: Ein von Siemens VDO entwickeltes System soll die Parklücke selbst finden. Auf einem Display kann der Fahrer wählen, ob er parken möchte.

Der Toyota Prius wird ab Anfang März erstmals mit einer intelligenten Einparkhilfe ausgeliefert. Das System lenkt das Hybridauto selbstständig in die Parklücke.

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zuletzt aktualisiert am 20.10.2021 

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