Motorrad-Führerschein – leicht gemacht
Der Führerschein fürs Motorrad ist keine leichte Sache - glauben Sie? Keine Angst, es geht schneller und leichter, als man denkt. Wichtige Tipps haben wir für Sie zusammengestellt.
Von Bettina Buck (bbs)

 

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„Blinken, schauen und losfahren“, tönt es aus den Lautsprechern unter meinem Helm. Die erste Motorrad-Fahrstunde beginnt und ich habe alles richtig gemacht. Bin aufgesessen, nicht heruntergefallen und losgefahren. Das Blut pulsiert in meinen Adern, das Adrenalin steigt. Herrlich, ein Gefühl der Freiheit überkommt mich.
Plötzlich die Stimme meines Fahrlehrers Dieter Wenskus aus Lübeck: „Was habe ich zu dir gesagt? Erst blinken, dann schauen und wenn alles frei ist, losfahren. Anhalten und noch mal von vorne“. Mist, doch alles falsch gemacht – und ich bin wieder auf den Boden der Tatsachen zurück gekommen. Aber kein Meister ist bisher vom Himmel gefallen und ein Führerschein der Klasse A wird einem nicht geschenkt, denn damit kann man ab einem Alter von 25 Jahren alle Motorräder fahren.
Also, Zähne zusammenbeißen und es besser machen. Mit leicht zitternden Knien geht es los zur zweiten Runde. Gemächlich fährt mein Fahrlehrer vor mir im Auto und dirigiert mich über die Helmsprechanlage sicher und souverän bis zum Volksfestplatz in Lübeck. Eh ich mich versehe, stehen etliche Pylonen hintereinander aufgereiht vor meiner Fahrschulmaschine, einer Suzuki Bandit 650 mit 72 PS (Baujahr 2007).
„Das hier ist ein Slalom-Parcours, den du mit 30 Stundenkilometer durchfahren wirst. Danach wendest du am Ende der Straße und kommst mit 50 km/h angefahren, um direkt neben mir eine Vollbremsung zu machen“, erklärte mir mein Fahrlehrer. Und er erinnerte mich noch daran, dass ich die Fuß- und Handbremse gleichmäßig stark betätigen soll, denn das Motorrad hat ABS. Nach erneutem Wenden soll ich den Slalom im Schritttempo durchfahren, was ich mir bei einer großen Maschine besonders schwer vorstelle. Der Fahrlehrer erklärte, dass es bei dieser Disziplin wichtig ist, dass man nur mit der Kupplung und mit leichter Betätigung der Fußbremse durchrollt.
Als erstes geht es in den Parcours. Donnerwetter, das geht ja richtig gut. Auf zur nächsten Übung, die Vollbremsung. „Und danach üben wir noch Kurven fahren, in dem du drei Runden links und drei Runden rechts herum im Kreis fährst. Glaub mir, das ist total einfach, es wird dir richtig Spaß machen“, spricht Dieter und schickt mich los.
Gesagt, getan, auch das war nicht von schlechten Eltern. Hoch motiviert fahre ich den Slalom im Schritttempo ab. Super und was kommt jetzt dran? Richtig, Kreis fahren. Nachdem ich alles mit Bravour gemeistert habe, warte ich gespannt auf das Lob meines Fahrlehrers. Und im Großen und Ganzen ist er auch sehr zufrieden.
In den folgenden Fahrstunden fuhr Dieter mit seinem Auto hinter mir her und gab nur kurze Anweisungen, in welche Richtung ich zu fahren hatte. Dabei absolvierte ich noch die Sonderfahrten: Landstraße, Autobahn und Fahren bei Dunkelheit.
Nach insgesamt 25 Fahrstunden auf dem Motorrad und zehn theoretischen Stunden in der Fahrschule durfte ich die Prüfung absolvieren. Zuerst die Schriftliche und nach erfolgreichem Abschneiden (weniger als 10 Fehlerpunkte), die Praktische.
Bei der Fahrprüfung wird ziemlich das Gleiche gemacht, wie bei den Grundübungen zuvor mit dem Fahrlehrer. Grundsätzlich muss man besonders auf folgende Dinge achten: Beim Anfahren blinken, schauen, rechts vor links beachten, Geschwindigkeiten einhalten, bei abknickender Vorfahrtstraße blinken und auf keinen Fall den Schulterblick vor dem Abbiegen vergessen.
Ich war überglücklich als der Prüfer mir zur bestandenen Fahrprüfung gratulierte. In knapp vier Wochen hatte ich den Führerschein gemacht und es hat rund 1500 Euro gekostet.
Welcher Führerschein
Welche Motorrad-Führerscheine kann man erwerben (mit welchem Alter darf man welche Motorräder fahren) und wieviele Pflicht-/Fahrstunden sind nötig?
Mofa bis 25 km/h, ab 15 Jahre, 12 Theorie- und 2 Fahrstunden, keine praktische Prüfung, nur theoretische, vor 01.04.1965-Geborene dürfen auch ohne Prüfung fahren.
Klasse M, Kleinkraftrad bis 45 km/h, bis 50 cm3, ab 16 Jahre, 14 Theoriestunden, Fahrstunden nach Lernfortschritt.
Klasse A1, Kraftrad bis 125 cm³ Hubraum und 11 kW Motorleistung, ab 16 Jahre, 16<TH>Theoriestunden, 12 Fahrstunden (Überland, Autobahn, bei Dunkelheit) sowie Fahrstunden nach Lernfortschritt.
Klasse A beschränkt, bis 25 kW, ab 18 Jahre, 16 Theoriestunden, 12 Fahrstunden (Überland, Autobahn, bei Dunkelheit) sowie Fahrstunden nach Lernfortschritt; nach zwei Jahren bekommt man:
Klasse A unbeschränkt, ab 25 Jahre sofort unbeschränkt, 16 Theoriestunden, 12 Fahrstunden (Überland, Autobahn, bei Dunkelheit) sowie Fahrstunden nach Lernfortschritt.
Welche Kosten
Bei den TÜV-Gebühren handelt es sich um feste Sätze, während wir bei den Fahrschulgebühren die Angaben von drei Schulen eingeholt haben.
Sehtest beim Optiker/Augenarzt 6,43 Euro
Kurs „Lebensrettende Sofortmaßnahmen am Unfallort“ 25 bis 30 Euro etwa bei ASB, DRK, JUH, MHD
Prüfung des Antrages beim Einwohnermeldeamt 5,10 Euro
Führerscheinantrag bei der Ersterteilung eines Führerscheines mit Probezeit 38,30 Euro (ohne Probezeit 37,50 Euro)
TÜV-Gebühren Theorie 11,07 Euro
TÜV-Gebühren praktische Prüfung:
Mofa 56,41 Euro, M 56,41 Euro, A1 (Leichtkraftrad) 84,97 Euro, A beschränkt (mittelschwere Krafträder) 112,81 Euro, A unbeschränkt (schwere Krafträder) 112,81 Euro
Fahrschul-Grundbetrag 180 bis 260 Euro
Schulungsunterlagen 25 bis 66 Euro
Fahrstunden je nach Lernfortschritt, 45 Minuten 38 bis 58 Euro
Sonderfahrten (Überland, Autobahn, Dunkelheit, insgesamt 12 Stunden) 44 bis 68 Euro
Infos: Fahrlehrerverband BW

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zuletzt aktualisiert am 01.02.2023 

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